Die Belichtung (AE)

Korrekte Belichtung ist das A&O in der Fotografie. Aber was bitte ist eine korrekte Belichtung und wie bekommt man diese hin? Das wie ist noch relativ einfach; hier arbeitet ein Belichtungsmesser in unseren Kameras, der uns die korrekte Belichtung ermittelt.

Moment mal! Der Belichtungsmesser ermittelt die korrekte Belichtung? Warum sind dann hin und wieder einige Fotos unter- oder überbelichtet? Meistens paßt es ja ganz gut mit der Belichtung, aber manchmal könnte man den Belichtungsmesser schon mal gerne auf den Mond schiessen. Also warum um Himmels Willen arbeitet der Belichtungsmesser ab und zu doch nicht so korrekt?

Die Frage ist doch zuerst einmal, was ist überhaupt eine “korrekte Belichtung”? Da könnte man recht vorschnell antworten: „Na wenn die korrekte Lichtmenge auf den Sensor trifft!“ Doch was ist den nun eigentlich die korrekte Lichtmenge, gibt es dafür ein Maß?

Wie so oft lautet die Antwort natürlich: Nein! Es gibt lediglich einen Richtwert, mit welchem die Belichtungsmesser arbeiten. Dieser ist das sogenannte „Neutralgrau“! In der Fotografie wird Neutralgrau als ein Grauton bezeichnet, in dem alle Farben des Spektrum zu gleichen Teilen enthalten sind. Dieser Grauton reflektiert ca. 18% Licht und entspricht dem logarithmischen Mittel des abbildbaren Kontrastumfangs.

Logarithmisches Mittel und dann nur 18%, wie paßt nun das wieder zusammen? Zur Veranschauung eignet sich hierfür am besten das Zonensystem nach Ansel Adams.

Dieses System besteht aus 11 Zonen von 0 bis X. Wobei die Zone X mit 100 % Helligkeit die höchste Lichtreflektion bezeichnet. Davon ausgehend wird jeweils mit dem Faktor 1/2 in der Intensität weniger zu der nächst niedrigeren Zone gerechnet.

Zonen-Intensitaet

Damit liegt die Zone V genau in der Mitte und besitzt einen Wert von 17,68 % gerundet 18 % – weshalb dieser Mittelwert (Neutralgrau) als Referenz für die Belichtungsmessung dient.

Nach diesem kleinen Ausflug in die „höhere Mathematik“ der Fotografie kann man sich nun folgendes vorstellen: Die Belichtungsmesser der Kameras versuchen immer ein gleiches Foto zu erzeugen. Dieses Foto entspricht hierbei in der Helligkeit dem Neutralgrau, bzw. der Zone V. Dies bedeutet natürlich nicht, dass alle Fotos grau sind – lediglich die Helligkeit dieses Neutralgrau wird von den Belichtungsmessern immer versucht zu erreichen. Hier liegt dann aber auch das Problem der Unter- und Überbelichtungen bei einigen Fotos!

Da der Belichtungsmesser nun mal bestrebt ist möglichst ein neutralgraues, also eine Helligkeit von 18% zu erzielen, gibt es hin und wieder Belichtungsprobleme. Versucht man mal ein weisses Blatt Papier abzulichten, so wird dieses nicht weiss sondern eben Neutralgrau wiedergegeben. Genauso verhält es sich bei einer schwarzen Fläche, auch diese wird anstelle von schwarz Neutralgrau wiedergegeben. Einfach mal probieren, um die Wirkung zu sehen!

Dies erklärt dann auch, warum manche Fotos über- oder unterbelichtet sind. Wenn sehr grosse helle Flächen im Bild vorhanden sind, dann versucht der Belichtungsmesser diese auf eine Helligkeit von 18% zu reduzieren und damit wird das Foto unterbelichtet. Sind zu viele dunkle Flächen im Bild vorherrschend, dann passiert genau das Gegenteil und der Belichtungsmesser hellt das Foto auf 18% auf und es wird dadurch überbelichtet.

Typische Vertreter dieser Fehlmessungen sind Schneelandschaften, wo der Schnee dreckig, eben Neutralgrau wirkt. Und im Gegenzug sind da die Nachtaufnahmen, welche wie Tagesaufnahmen wirken, da sie ebenfalls auf Neutralgrau aufgehellt werden.

Ist man sich dieser Tatsache bewußt, so kann man schon vor der Aufnahme korrigierend eingreifen. Bei sehr hellen, oder dunklen Motiven sollte man somit die Belichtungskorrektur der Kamera einsetzen – dafür ist sie da.

Hier zeige ich mal zwei Beispiele:

Eine typische Unterbelichtung ergibt sich, wenn das Motiv sehr hell ist.

 Belichtung_01

Für eine korrekte Belichtung muss hier mit einer Belichtungskorrektur von +3 gearbeitet werden. Damit legt man die Belichtung aus der Zone V in die Zone IIX, welche eine Lichtintensität von 50% besitzt. Würde man noch weiter überbelichten, dann wären keine Konturen oder Umrisse mehr zu erkennen.

 Belichtung_02

Bei dunklen Motiven kommt es hingegen zu Überbelichtungen.

 Belichtung_03

Auch hier wurde um 3 Stufen korrigiert. Nämlich mit einer Belichtungskorrektur von -3 , wodurch aus Zone V die Zone II wurde. Diese bietet mit einer Lichtintensität von 6,25% noch ausreichend Zeichnung. Bei noch stärkerer Unterbelichtung würden auch hier keine Konturen oder Umrisse mehr ausreichend erkennbar sein.

Belichtung_04

Ich hoffe, mit meinem Beitrag die Arbeitsweise eines Belichtungsmessers etwas entschlüsselt zu haben. Es dürfte nun klar sein, warum es hin und wieder zu Fehlbelichtungen kommt. Doch mit dem Wissen „wie und warum“ sollte das zukünftig kein Problem mehr darstellen.

Somit wünsche ich allen korrekt belichtete Fotos und weiterhin viel Spass bei unserem schönen Hobby.

Gruss Jürgen

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