Die Messmethoden

Der Belichtungsmesser in unseren Kameras nimmt eine Objektmessung vor. Das heißt, er misst das reflektierende Licht welches von einem Objekt/Motiv zurück geworfen wird. Im Gegensatz zur Lichtmessung, wobei das vorhandene Licht um ein Objekt/Motiv herum gemessen wird, ist die Objektmessung leider ungenauer.

Da der Belichtungsmesser nur das reflektierende Licht vom Motiv zur Kamera messen kann, wird dieses als Neutralgrau angenommen. Er geht davon aus, dass das Bild richtig belichtet ist wenn die gemessenen Bildteile in der Helligkeit ein neutrales Grau ergeben.

Als Unterstützung bieten unsere Kameras verschiedene Messmethoden. Die unterschiedlichen Messmethoden geben der Kamera vor was die entscheidenden Bildteile sind. Was aber bedeutet dies eigentlich?

Da stehen in den Bedienungsanleitungen so seltsame Begriffe wie:
Matrixmessung, Mehfeldmessung, Mehrpunktmessung, Ganzfeldmessung, Selektivmessung, mittenbetonte Selektivmessung, Integralmessung, mittenbetonte Integralmessung, Spotmessung, Einpunktmessung – hoffe mal, dass ich alle erwähnt habe, die sich die Hersteller so ausgedacht haben! Wie auch immer, viele Bezeichnungen meinen ein und dasselbe. Daher werde ich hier mal nur auf die gängigsten Messmethoden eingehen.

  • Die Spotmessung
  • Die Selektivmessung
  • Die mittenbetonte Integralmessung
  • Die Mehrfeld- und Matrixmessung

 
 

Die Spotmessung

1_Spot

Bei der Spotmessung ist der Messbereich sehr klein, meistens zwischen 3-7% des gesamten Sucherfeldes. Hier ist nur der Bildteil entscheidend der sich genau in der Mitte des Suchers befindet. In der Regel entspricht das Messfeld der Markierung des mittleren AF-Feldes. Wenn man dabei nicht genau aufpasst, ist die Belichtung eher Zufall, denn häufig hat das Zentrum des Bildes nicht einen mittleren Grauwert. Daher nutzt man diese Methode meistens auch, um ganz gezielt das bildwichtigste Motiv anzumessen. Die meisten Kameras bieten die Möglichkeit, die Blichtungsmessung (AE) und die Schärfemessung (AF) bei halb gedrücktem Auslöser zu speichern. Somit kann man nach erfolgter Messung auf das Hauptmotiv anschließend den gewünschten Bildausschnitt noch verändern. Zu beachten ist hierbei allerdings, dass sich mit dem verschwenken der Kamera schlimmstenfalls auch der Schärfepunkt verlagert und nicht mehr exakt auf dem Hauptmotiv liegt. Einige Kameras bieten die Möglichkeit, die Spotmessung mit den aktiven Autofokus-Messfeldern zu koppeln. Dies bewirkt, dass die Spotmessung nicht auf die Suchermitte festgelegt ist, sondern durch die Wahl eines AF-Messfeldes ebenfalls verschoben werden kann. Damit ist die Spotmessung dann eine sehr effektive Messung auf das Hauptmotiv.

Wenn man eine Neutralmessung an Hand einer Graukarte (oder der Handfläche!) machen möchte, sollte auch immer die Spotmessung gewählt werden. Dadurch werden Fehlmessungen weitestgehend ausgeschlossen und man erhält, wie in früheren Zeiten, eine annähernd neutrale Lichtmessung.
 
 

Die Selektivmessung

2_Selektiv

Bei der Selektivmessung verwendet die Kamera einen zentralen Bildkreis den sie zur Messung heranzieht. Dieser ist meistens auf einen Bereich zwischen 10-20% des gesamten Sucherfeldes begrenzt. Diese Methode ist dann interessant, wenn sich ein Hauptmotiv im Zentrum des Bildes befindet, dass durch eine bestimmte Lichtquelle beleuchtet wird. Wie zum Beispiel bei Portraits. Aber auch bei dieser Messmethode bietet sich eine gezielte Messung auf das Hauptmotiv mit der Messwertspeicherung über den Auslöser an. Gegenüber der Spotmessung wird hier eben ein größeres Umfeld mit in die Messung einbezogen, was in den gängigsten Aufnahmesituationen zu sehr guten Ergebnissen führen wird. Aber Vorsicht, sollte das Motiv selbst recht dunkel sein, wird die Kamera es zu hell wiedergeben, um das neutrale Grau zu erreichen. Ist es sehr hell, wird es zu dunkel werden. Hier sollte man mit der Belichtungskorrektur arbeiten, um solche Abweichungen korrigieren zu können.
 
 

Die mittenbetonte Integralmessung

3_MittIntegral

Bei der mittenbetonten Integralmessung wird ein etwas größerer Bildkreis im Zentrum beachtet. Dieser beträgt so zwischen 30-50% des gesamten Sucherfeldes. Zusätzlich werden die Außenbereiche mit einer abnehmenden Gewichtung mit in die Messung einbezogen (in der Abbildung habe ich dies durch ein durchscheinendes Umfeld kenntlich gemacht). Hier sind die Ergebnisse in der Regel sehr ähnlich zu den sogenannten Matrixmessungen, bei denen auch eine unterschiedliche Gewichtung der Messfelder in die Messung einfließt. Diese Methode ist sinnvoll wenn mehrere Lichtquellen, die das Ergebnis beeinflussen könnten, im Bild enthalten sind. Bei gut 90% aller Aufnahmesituationen werden die Ergebnisse der mittenbetonten Integralmessung mit der Mehrfeld-/Matrixmessung kaum unterschiedlich ausfallen. Von daher wurde diese Messmethode bei vielen Kameras als Standard-Messung vorgegeben.
 
 

Die Mehrfeld- und Matrixmessung

4_MehrfeldMehrfeldmessung

5_MatrixMatrixmessung

Die heute wohl am häufigsten verwendete Methode, die auch fast immer zu einem gut belichteten Bild führt ist die Mehrfeldmessung oder Matrixmessung. Die Unterscheidung dieser beiden Messmethoden liegt in der Anordnung der Messfelder.

Als Mehrfeldmessung wird in der Regel eine gleichmäßige Anordnung und Verteilung von Feldern bezeichnet – also wie ein Raster. Hierbei wird jede einzelne Feldmessung bei der Ermittlung der Belichtung gleichermassen berücksichtigt. Von daher sind viele Messfelder bei dieser Messung von Vorteil, da umso genauer die einzelnen Bildteile berücksichtigt werden können. Allerdings sind übermässig viele Messfelder, welche heute auch schon mal in die 10tausende gehen können ein rein technisches Gimmick. Ein APS-C Sensor hat ungefähr eine Fläche von 350 Quadratmillimeter. Somit wären bei 70 Messfeldern jedes 5 Quadratmillimeter groß, oder anders ausgedrückt ca. 2,2×2,2mm groß. Damit sind schon sehr differenzierte Messungen möglich. Eine weitere Erhöhung der Messfelder macht nach meinen eigenen Erfahrungen keinen Unterschied mehr aus.

Bei einer Matrixmessung handelt es sich um ein festgelegtes Muster von Feldern, diese müssen weder in Form noch in der Bedeutung gleich sein. Dem zur Folge wird bei einer Matrix bereits durch eine unterschiedliche Form und Anordnung der Felder im Vorhinein die Belichtung beeinflußt. Verstärkt wird diese Beeinflußung dann auch noch durch die unterschiedliche Gewichtung der einzelnen Felder bei der Belichtungsmessung. Bei dieser Methode ermittelt die Kamera die Lichtsituation also aus festgelegten Mustern. Diese Messungen gleicht sie mit einer Datenbank ab, in der häufig auftretenden Aufnahmemuster gespeichert sind. Anhand dieses Abgleichs versucht die Kamera die Szene zu erkennen und eine geeignete Belichtung zu wählen. Die Matrixmessung ist somit eine sehr ausgeklügelte Messmethode mit sehr hoher Trefferquote.
 
 

Die Mehrfeld- oder Matrixmessung in Verbindung mit einem AF-Messfeld

Bei den meisten Kameras können die aktiven Autofokus-Messfelder mit der Mehrfeld- oder Matrixmessung verknüpft werden. Hierdurch werden der Kameraelektronik weitere Hinweise über Motiv und Bildaufbau zur Verfügung gestellt. Da ja in der Regel der aktive Fokuspunkt auf dem Hauptmotiv liegt, wird bei der Verknüpfung mit der Mehrfeld- oder Matrixmessung das Messfeldmuster dort ebenfalls zentriert. Dadurch konzentriert sich die Belichtung verstärkt auf das Hauptmotiv – dem aktiven Autofokus-Messfeld und die entfernteren Randbereiche werden kaum oder teilweise gar nicht berücksichtigt.
 
Zur Anschauung:

6_Mehrfeld-LO
Aktives AF-Messfeld links oben mit Mehrfeldmessung

7_Matrix-LO
Aktives AF-Messfeld links oben mit Matrixmessung

8_Mehrfeld-RA
Aktives AF-Messfeld rechts aussen mit Mehrfeldmessung

9_Matrix-RA
Aktives AF-Messfeld rechts aussen mit Matrixmessung

In wie weit die einzelnen Messmethoden bei Euren Kameras arbeiten könnt Ihr am besten mit Vergleichsaufnahmen heraus finden. Einfach mal die verschiedenen Messmethoden bei einer Aufnahme anwenden. Achtet dabei aber darauf, dass keine Korrekturen aktiv sind und der Bildausschnitt immer gleich ist – am besten mit Stativ arbeiten. So bekommt Ihr ein Gefühl für die Messmethoden und könnt ihren Einsatz optimal auswählen.
 
 

Gruss Jürgen

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2 Kommentare zu „Die Messmethoden

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