Makro-Objektive

Wohl eine der am häufigsten benutzen Brennweiten bei Makroobjektiven ist die 100/105mm. Diese Objektive haben sich mehr oder weniger als Standardmakro hervor getan. So wird diese Brennweite auch von allen Herstellern als Makroobjektiv angeboten. Aber es gibt auch noch andere Brennweiten, die durchaus ihre Berechtigung und ihren Nutzen in der Makrofotografie haben.

Was genau ist eigentlich ein Makroobjektiv? Ein Makroobjektiv ist ein Objektiv, welches durch seine besondere Anordnung der Linsengruppen eine kürzere Naheinstellgrenze als die Standardobjektive zuläßt. Durch diese Naheinstellgrenze ist es den Makroobjektiven möglich einen Abbildungsmaßstab von 1:1 zu verwirklichen, also eine Objektabbildung in Originalgrösse. Zu beachten ist hierbei allerdings, dass diese Abbildung nur und ausschliesslich dann erfolgt, wenn das Objektiv auch bei seiner Naheinstellgrenze eingesetzt wird. Sobald sich der Abstand zum Objekt vergrössert, wird der Abbildungsmaßstab von 1:1 verlassen und das Objekt wird nicht mehr in Originalgrösse dargestellt.

Diese Naheinstellgrenze liegt bei den Makroobjektiven ungefähr bei dem 3,5- bis 4-fachen ihrer Brennweite. Also bei einem 100mm Makroobjektiv ist die Naheinstellgrenze ungefähr bei 40cm. Bei den Standardobjektiven beträgt die Naheinstellgrenze meistens das 10-fache ihrer Brennweite. Somit wäre bei einem 100mm Standardobjektiv die Naheinstellgrenze bei ungefähr 1 Meter angesiedelt. Deshalb eignen sich Makroobjektive nicht nur für reine Makroaufnahmen, sondern sind auch für Aufnahmen bei denen man mal näher an ein Objekt heran möchte optimal einzusetzen.

Häufig stellt sich die Frage nach der richtigen Brennweite für Makroaufnahmen von Insekten. Die richtige Brennweite ist aber, wie so oft, schwierig zu benennen! Eine längere Brennweite ermöglicht einen grösseren Abstand zum Objekt. Allerdings verringert sich bei zunehmender Brennweite die Tiefenschärfe, die wiederum bei Makroaufnahmen nicht unerheblich ist. Um ein Insekt bei einem Abbildungsmaßstab von 1:1 scharf abbilden zu können, sollte die Tiefenschärfe schon mindestens 10mm betragen.

Bei einem 100mm Objektiv würde diese Tiefenschärfe bei Naheinstellgrenze (1:1) ungefähr erst bei f/32 erreicht:

TS_100mm

TS_70mm

TS_35mm

Aus den Tabellen ist ersichtlich, dass bei kürzeren Brennweiten eine bessere Tiefenschärfe gewährleistet ist. Allerdings wird es dann mit dem Abbildungsmaßstab von 1:1 immer schwieriger. Trotzdem tendiere ich persönlich bei Insekten eher zum 35mm Objektiv. Wegen der grösseren Blendenöffnung, die hierbei verwendet werden kann, sind kürzere Verschlusszeiten möglich, welche ein Freihandfotografieren meistens noch erlaubt. Die Trefferquote ist einfach um ein vielfaches höher und den fehlenden Abbildungsmaßstab kann man durch einen Bildausschnitt (Crop) noch sehr gut verwirklichen.

Nachfolgend habe ich mal die Naheinstellgrenzen der verschiedenen Brennweiten für einen Abbildungsmaßstab von 1:1 abgebildet. Hier sieht man gut, dass man mit dem 35er schon extrem nah am Objekt ist.

Naheinstellgrenze

Bei einem Objektabstand von 50cm wirken sich Brennweite und Blendenöffnung schon sehr unterschiedlich aus. Dies wäre nach meiner Erfahrung die ungefähre Entfernung bei Insektenaufnahmen.

Abstand_50cm

Durch einen Crop auf einen ungefähr gleichen Bildausschnitt werden die Unterschiede noch etwas deutlicher.

Tiefenschaerfe

Im nächsten Vergleich habe ich den Aufnahmeabstand variiert, um einen möglichst gleichen Bildausschnitt aufnehmen zu können. Wie man sehen kann, wird das Verhältnis zwischen Vorder- und Hintergrund ebenfalls durch die Brennweite stark beeinflußt.

Ausschnitt

Hat natürlich nicht mehr viel mit Makro zu tun, aber wie schon geschrieben sind die Makroobjektive durchaus auch für „Normalaufnahmen“ geeignet, wobei das nahe herangehen ans Motiv hilfreich sein kann.

Bei einem Objektabstand von ungefähr 5-6 Meter spielt die Tiefenschärfe und somit auch die Freistellung nur noch eine relativ untergeordnete Rolle. Zumindest bei der von mir getesteten Brennweite von 70mm ist hier kaum noch ein Unterschied zwischen den einzelnen Blendenöffnungen wahrnehmbar. Um hier noch eine ausreichende Freistellung zu erreichen werden dann längere Brennweiten benötigt.

Fernabstand

Mir stehen noch Telebrennweiten von 200mm bei einer Naheinstellgrenze von 90cm und 300mm bei einer Naheinstellgrenze von 140cm zur Verfügung. Diese sind für eine Freistellung sehr gut geeignet und ich werde bei Gelegenheit mal einen Beitrag dazu schreiben.

 

Gruss Jürgen

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