Wer viel misst misst Mist

Diesen Handwerkerspruch könnte man auch auf die Fotografie beziehen. Belichtungsmesser in den heutigen Digitalkameras haben eine Fülle an Möglichkeiten eine korrekte Messung vorzunehmen. Korrekte Messung? Da fängt das Problem ja schon an ein Problem zu werden!

In den Anfängen der Fotografie hat man die Belichtung ganz einfach geschätzt. Woher auch noch einige Sätze wie: „wenn die Sonne lacht, nimm Blende 8!“ usw. herrühren. Komischer Weise sind die Bilder damals auch etwas geworden.

Dann kamen die ersten Nachführbelichtungsmesser. Eine Revolution – endlich konnte man eine korrekte Belichtung vornehmen. War das wirklich so? Gut man mußte nicht mehr „frei Schnauze“ schätzen, aber die Ergebnisse wurden deshalb auch nicht explizit besser.

Heute hat man elektronische Belichtungsmesser mit mehreren Messmethoden und selektiven Messpunkten. Super – endlich geschafft, die Belichtung sitzt. Denkste! Immer noch sind viele Bilder fehlbelichtet – genauso, wie früher. Was hat es also gebracht?

In erster Linie den Herstellern ein gut gefülltes Konto! Aber auch uns Anwendern können die heutigen Belichtungsmesser bei richtiger Anwendung eine grosse Hilfe sein. Nur leider gibt es keine Regeln für richtig oder falsch. Lediglich ein paar Empfehlungen, wie eine möglichst hohe Trefferquote erreicht werden kann, kann ich hier mal aufzeigen.

Zuerst einmal etwas zu den häufigsten Messmethoden:

  1. Mehrfeldmessung = die Messung erfolgt über zahlreiche Messfelder über das gesamte Sucherbild.
  2. mittenbetonte Messung = ein Bereich von ca. 30% wird in der Suchermitte als Hauptmessung herangezogen, das restliche Sucherbild hat eine geringere Wichtung.
  3. Spotmessung = lediglich ein Punkt von ca. 5% wird in der Suchermitte angemessen. Das restliche Sucherbild wird nicht berücksichtigt.

Von daher kann man schon mal folgende grobe Einteilung vornehmen:

  1. Landschaften und sonstige Bildinhalte ohne besonders herausstechende Hauptmotive = Mehrfeldmessung.
  2. Deutliches Hauptmotiv mit grösserem Umfeld = mittenbetonte Messung.
  3. Eindeutiges Hauptmotiv, bildbetonend und Nahaufnahmen = Spotmessung.

Bei allen Messungen muss man sich aber vor Augen halten, dass der Belichtungsmesser immer bestrebt ist eine mittlere Belichtung hervorzubringen. Sind also in den Messbereichen überdurchschnittlich viele helle oder dunkle Bereiche, dann kommt es zu Fehlbelichtungen. Dafür besitzen die Kameras eine Belichtungskorrektur.

Befinden sich überwiegend dunkle Bereiche im Bild, dann würde der Belichtungsmesser das Bild zu hell darstellen. Dunkel = wenig Licht = Blende öffnen = Überbelichtung! Hier muss dann eine Minus-Korrektur vorgenommen werden. Also Dunkel = Minus.

Befinden sich überwiegend helle Bereiche im Bild, dann würde der Belichtungsmesser das Bild zu dunkel darstellen. Hell = viel Licht = Blende schliessen = Unterbelichtung! Hier muss dann eine Plus-Korrektur vorgenommen werden. Also Hell = Plus.

Um solche erforderlichen Korrekturen besser einschätzen zu können, bedarf es einiger Übung. Dazu sind die Belichtungsreihen unserer Kameras ein sehr gutes Hilfsmittel. Wenn möglich sollte man eine Belichtungsreihe mit 5 Bildern erstellen. Zwischen den Bildern sollte immer ein Lichtwert/Blendenstufe vorgenommen werden. Damit erhält man dann eine Reihe von -/+ 2 Lichtwerten.

Bel-Korr-Zonen

Wenn man sich solche Belichtungsreihen von verschiedenen Aufnahme- und Motivsituationen erstellt, dann kann man sich einen kleinen Belichtungskatalog zusammenstellen. Dadurch können auftretende Aufnahmesituationen besser eingeschätzt werden und mit der Zeit bekommt man ein Gefühl für die richtige Korrektur.

Gerade bei der Spotmessung, wenn es um bestimmte Hauptmotive geht, ist das Arbeiten mit und die richtige Einschätzung der Belichtungskorrektur von grossem Vorteil. Hier können Lichter und Schatten ganz gezielt gesteuert werden.

Nimmt man mit der Spotmessung die dunkelste Stelle im Hauptmotiv ins Visier, dann muss man sich nur noch entscheiden wie diese Stelle später im Bild wiedergegeben werden soll. Soll sie sich im Bereich -2 befinden, dann stellt man die Belichtungskorrektur auf -2 ein. Wählt mein die hellste Stelle am Hauptmotiv verhält es sich genau gegenläufig. Soll diese im Bereich +1 wiedergegeben werden, dann muss die Belichtungskorrektur auch auf +1 eingestellt werden. Mit etwas Übung eine optimale Methode, die sich grob an das Zonensystem anlehnt.

Wie Anfangs aber schon erwähnt, ist eine ständige Belichtungsmessung gar nicht unbedingt erforderlich. Sie kann sogar eine Lichtsituation zerstören. Weshalb ein zuviel an Messung durchaus „Mist“ erzeugen kann. Die Belichtungsautomatiken nehmen bei jeder Aufnahme eine erneute Messung vor. Aber nur selten ändert sich die Belichtung tatsächlich so gravierend über ein paar Stunden verteilt, dass eine ständige Messung erforderlich wäre. Befindet sich gerade eine Wolke am Himmel, wird der Belichtungsmesser die Belichtung etwas heller machen wollen, als dies ohne Wolke der Fall wäre. Aber die Wolke mit ihrem „Lichteffekt“ kann gerade das gewisse Etwas bei einem Bild ausmachen. doch dieser besondere Lichteffekt wird durch die Belichtungsautomatik zunichte gemacht.

Von daher ist der Spruch: „wenn die Sonne lacht, nimm Blende 8!“ von damals gar nicht mal so schlecht. Nimmt man eine Grundmessung vor, dann kann mit dieser über einen recht langen Zeitraum ohne Änderungen fotografiert werden. So werden kleinere Änderungen bei den Lichtsituationen auch im Bild sichtbar und sorgen für einen besonderen Reiz. Was sonst die Belichtungsautomatik durch eine unnötige Korrektur zerstören würde.

Leider ist es mit unseren Kameras nicht möglich eine Lichtmessung vorzunehmen. Die Belichtungsmesser nehmen eine Objektmessung vor, bei der das reflektierte Licht, welches von dem angemessenen Objekt zurückgeworfen wird, gemessen wird. Aber auch damit läßt sich eine Messung verwirklichen, die für mehrere Stunden ihre Gültigkeit behält.

Für so eine Grundmessung geht man wie folgt vor:

Man stellt sich mit dem Rücken zur Sonne. Man wählt ein möglichst gleichmäßig beleuchtetes Motiv, vorzugsweise eine Wiese, oder einen Laubwald. Dieses sogenannte „lebende Grün“ entspricht dem Neutralgrau, welches den Belichtungsmessern zugrunde liegt. Man stellt die Kamera auf Mehrfeldmessung. Wählt eine eher weitwinklige Brennweite, maximal 50mm. Man stellt die Entfernung am Objektiv (manuelle Fokusierung!) so ein, dass das Bild möglichst verschwommen erscheint – also nach Möglichkeit nur noch eine Farbfläche zu erkennen ist. Die so ermittelte Belichtung stellt man dann manuell an der Kamera ein und fotografiert munter drauf los, ohne sich weiter darum zu kümmern. Natürlich kann es schon mal Motive geben, die dann nicht optimal belichtet sind, aber im grossen und ganzen wird man über die Ergebnisse positiv erstaunt sein. So ergeben sich Lichteffekte, die eine Belichtungsautomatik sonst zerstört hätte.

Wer es noch etwas interessanter gestalten möchte, der stellt auch noch den Weissabgleich auf Tageslicht bzw. 5500 Kelvin fest ein. Dadurch werden auch ständige Farbkorrekturen, welche der automatische Weissabgleich vornehmen würde unterdrückt. So bleiben auch die Farbspiele des Tages erhalten und können für interessante Effekte sorgen.

Mit den genannten Tipps kann man einiges über die Belichtung, insbesondere das Licht erfahren. Mit der Zeit wird man so zum „Belichtungsprofi“ und lernt Situationen einzuschätzen. Der Belichtungsmesser wird so zu einem wirklich nützlichem Instrument.

In diesem Sinne: Allzeit gut Licht!

wünscht Jürgen

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