Wofür ist die ISO-Empfindlichkeit gut?

Über die ISO wird die Lichtempfindlichkeit des Sensors gesteuert.

In den meisten Fällen nutzt man die Erhöhung der Lichtempfindlichkeit, um bei schwachem Licht noch Fotos machen zu können. In erster Linie bei Nachtaufnahmen, Aufnahmen in geschlossenen Räumen und bei abendlichen Veranstaltungen, wenn man keinen Blitz einsetzen möchte/darf.

Das Problem bei solchen Einsätzen ist meistens eine zu lange Verschlusszeit, um noch aus freier Hand fotografieren zu können. Auch der Einsatz von lichtstarken Objektiven bringt nicht immer den gewünschten Erfolg. Zudem ergibt sich bei den lichtstarken Objektiven, wenn man sie bei Offenblende verwendet ein weiteres Problem – die Tiefenschärfe. Um also eine ausreichend kurze Verschlusszeit und eine kleinere Blendenöffnung für eine bessere Tiefenschärfe benutzen zu können muss die ISO herauf gesetzt werden.

Hier mal ein Beispiel:

  • Gemessener Lichtwert bei ISO100 = f/2.8 – 1/8 sec.

Will man jetzt mindestens eine Verschlusszeit von 1/30 sec. benutzen, dann muss die ISO um 2 Lichtwerte erhöht werden. Also….

  • 1 LW = ISO200 = f/2.8 – 1/15 sec.
  • 2 LW = ISO400 = f/2.8 – 1/30 sec.

Damit hat man aber erstmal nur eine verbesserte Verschlusszeit gewonnen, die Tiefenschärfe ist bei f/2.8 noch sehr gering. Um hier wenigstens auf f/5.6 zu kommen muss nochmals um 2 Lichtwerte erhöht werden. Also….

  • 3 LW = ISO800 = f/4 – 1/30 sec.
  • 4 LW = ISO1600 = f/5.6 – 1/30 sec.

So musste insgesamt schon um 4 Lichtwerte auf ISO1600 erhöht werden, um wenigstens gerade mal so ausreichende Belichtungswerte zu erzielen. Hier wird schnell ersichtlich, dass man auch durch die Erhöhung der ISO schnell an Grenzen stossen kann. Denn bei ISO1600 ist bereits bei vielen Kameras/Sensoren das Maximum erreicht, um noch nicht zu stark ins Rauschen zu geraten. Ein weiterer Lichtwert mehr würde bereits auf ISO3200 erhöhen. Damit könnte man gerade noch auf eine Verschlusszeit von 1/60 sec. kommen, oder aber eine f/8 einsetzen. Doch ob die Ergebnisse bezüglich des Rauschens noch ausreichend sind, muss dann jeder für sich entscheiden.

Somit muss man schon genau abwägen was wichtig und ausreichend ist. Kann man mit grösserer Blendenöffnung leben, oder kommt man noch mit einer längeren Verschlusszeit aus, oder nimmt man das Rauschen bei höherer ISO in Kauf.

Es gibt aber auch noch weitere Anwendungsgebiete, wo eine Erhöhung der ISO nützlich sein kann.

In der Sportfotografie kann eine Erhöhung der ISO genutzt werden, um eine kürzere Verschusszeit zum einfrieren von Bewegungen zu bekommen.

In der Makrofotografie kann durch die ISO-Erhöhung ein grösserer Blendenwert für eine grössere Tiefenschärfe erreicht werden.

Bei den beiden Anwendungen kommt in aller Regel das Rauschen auch nicht so stark zum tragen. Da hierbei eigentlich genügend Licht vorhanden ist neigen die Sensoren nicht so schnell zum Rauschen, wie bei Dunkelheit.

Hinweis: in meinem Flickr-Album habe ich Vergleichsaufnahmen von ISO1600 bis ISO51200 veröffentlicht. Die Aufnahmen wurden bei einfallendem Tageslicht gemacht und können vielleicht dem ein oder anderen bei einer Einschätzung helfen.

Gruss Jürgen

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Die ISO

Zuerst einmal zur Erklärung: ISO bezeichnet die Lichtempfindlichkeit des Aufnahmematerials: Früher dem Film, heute dem Sensor.

Es handelt sich hierbei um den Standard der Internationalen Organisation für Normung (ISO). Dieser Standard hat sich heute durchgesetzt und findet nur noch Verwendung.

Früher gab es noch die ASA (American Standards Association) und in Deutschland die DIN (Deutschen Institut für Normung e. V.). Bei ISO wurden die Werte der ASA übernommen, was auch gegenüber der deutschen DIN-Norm einfacher in der Anwendung ist.

Zu Analogzeiten konnte man die Lichtempfindlichkeit nur über die Wahl des Filmmaterials beeinflussen. Die häufigsten Filme besaßen eine Empfindlichkeit von 50 ASA/18 DIN, 100 ASA/21 DIN und 400 ASA/27 DIN. Wenn man also bei schwachem Licht fotografieren wollte, dann griff man auf den 400 ASA Film zurück. Allerdings erkaufte man sich damit auch eine schlechtere Bildqualität durch ein gröberes Filmkorn, welches eine gewisse Unschärfe (das heutige Rauschen) mit sich brachte. Hatte man einen Film in der Kamera, dann mußte man alle Aufnahmen mit der gleichen Empfindlichkeit machen, ein wechseln war zwischendurch nicht möglich.

Bei den heutigen Digitalkameras haben wir es da einfacher. Die verbauten Sensoren lassen sich über die Elektronik auf verschiedene Empfindlichkeiten einstellen. Womit wir in der Lage sind jedes Bild mit einer anderen Empfindlichkeit aufzunehmen. Die Kameraelektronik simuliert (vereinfacht ausgedrückt) durch veränderbare Spannung die am Sensor anliegt unterschiedliche Empfindlichkeiten. Je höher die Spannung, um so empfindlicher reagiert der Sensor auf Licht.

Eine höhere Spannung bewirkt aber auch eine höhere Temperatur am Sensor. Dies wiederum bringt die Pixel auf dem Sensor so ins „schwitzen“, dass dadurch das berüchtigte Bildrauschen hervor gerufen wird. Je höher die ISO-Zahl, um so grösser wird das Bildrauschen.

Die Standardwerte lauten:

50 – 100 – 200  400 – 800 – 1600 – 3200 – 6400 – 12800

Auch hier liegt wieder, wie bei der Blende und der Verschlusszeit, eine Verdopplung bzw. Halbierung der Lichtwerte von Stufe zu Stufe vor. Ebenfalls sind bei den Digitalkameras zusätzlich noch 1/2 und 1/3 Stufen einstellbar.

Aktuelle Kameras bieten sogar ISO-Werte über 100.000 an und bewerben damit bei minimalem Restlicht noch Aufnahmen machen zu können. Nun ja – Papier ist geduldig!

Hohe ISO-Werte sind besonders bei Sportaufnahmen in Hallen, bei der Konzertfotografie usw. nützlich. Durch erhöhen der ISO Werte können die Verschlusszeiten verkürzt werden. Was aber auch bei Verwacklungen oder Bewegungsunschärfen hilfreich sein kann. Doch sollte man immer auch die Qualitätseinbuße im Hinterkopf behalten.

Gruss Jürgen

Was Ihr immer schon mal wissen wolltet

Hallo an alle Fotointeressierte,

der Anfang ist gemacht. Die ersten Beiträge zu den Grundlagen der Fotografie sind geschrieben. Es soll von meiner Seite aus auch immer weiter ausgebaut werden. Bei den klassischen Fotobüchern gibt es eine grobe Chronologie, die ich ebenfalls grob aufgreifen werde. Was aber nicht heissen soll, dass man nicht davon abweichen könnte.

Durch meine jahrelange Arbeit als Fotodozent weiss ich, dass man gerne mal zuviel voraus setzt, oder einfach auch mal etwas vergisst. Das ein oder andere ist mir im Laufe der Zeit in „Fleisch und Blut“ übergegangen und dadurch denke ich auch nicht mehr darüber nach. Deshalb möchte ich hier folgendes anbieten:

Interaktiver Fotolehrgang

Gerne nehme ich Anregungen, Fragen und Wünsche in Bezug auf die nächsten Beiträge von Euch entgegen. Wenn jemand immer schon mal eine Frage, oder Verständnisprobleme zu fotografischen Themen hat, will ich gerne versuchen, diese zu beantworten.

Ich denke, dass auf diese Weise eine anwenderfreundliche „Fotoschule“ entstehen könnte. Ein Austausch und die direkte Kommunikation unter Gleichgesinnten kann dabei sicher positive Auswirkungen haben. Daher möchte ich dieses Projekt ins Leben rufen und wünsche mir eine rege Teilnahme.

Gruss Jürgen

Wofür ist die Verschlusszeit gut?

Die Verschlusszeit – Belichtungszeit steuert natürlich in erster Linie die Dauer des geöffneten Verschlusses und damit den Lichteinfall auf den Sensor.

Ist es da nicht egal, wie lange diese „Öffnungszeit“ dauert? Warum gibt es da überhaupt so eine lange Reihe von einstellbaren Verschlusszeiten?

Ganz einfach ausgedrückt hat es in der Hauptsache mit Verwacklung und Bewegung zu tun.

Gehen wir mal die einzelnen Anwendungsgebiete durch:

Freihand fotografieren
Im allgemeinen nehmen wir die Kamera zur Hand und machen ein Foto. Dabei überlassen wir meistens der Programmautomatik, oder der Zeitautomatik mit Blendenvorwahl die Belichtung und somit auch die Wahl der Verschlusszeit. In den meisten Fällen ist dagegen auch nichts einzuwenden – bis auf wenige Ausnahmen:
Hmm, warum ist diese Aufnahme denn verwackelt/unscharf? Ja was ist denn da passiert?
Tja – hier war wohl die Verschlusszeit zu lang! Aber wann spricht man von einer zu langen Verschlusszeit? Ganz einfach – wenn wir nicht mehr in der Lage sind die Kamera während des geöffneten Verschlusses ruhig zu halten. Es ist dann kein Freihand fotografieren mehr möglich, sei denn wir würden die Verschlusszeit verkürzen.

Grundsätzlich muss aber jeder für sich herausfinden, wo seine Grenzen für die Freihandaufnahmen liegen. Jeder hat ein anderes „ruhiges Händchen“ und der eine kann bei 1/15 Sekunden noch gute Ergebnisse erzielen, für den anderen ist schon bei 1/60 Sekunden Schluß. Ebenso spielen die heutigen Hilfsmittel, wie Bildstabilisierung in der Kamera, oder dem Objektiv eine Rolle.

Ein weiteres wichtiges Kriterium bei der Festlegung der längsten Verschlußzeit aus freier Hand ist die verwendete Brennweite. Hierbei gilt die Regel: Brennweite = Verschlußzeit
Diese Regel bezieht sich auf das Kleinbildformat (Vollformat) und nimmt die Brennweite in mm im Kehrwert als Verschlusszeit. Also zum Beispiel: 300mm = 1/300 (1/320 sec.) – 200mm = 1/200 (1/250 sec.) – 50mm = 1/50 (1/60 sec.) usw.
Wie aber schon geschrieben, bezieht sich die Regel auf Kleinbild und muss für die DSLRs mit APS-C Sensor (Crop-Sensor) angepaßt werden. Da es sich hierbei um einen Ausschnitt mit Faktor 1,5 (1,6) zum Kleinbild handelt, müssen die ermittelten Zeiten ebenfalls mit 1,5 multipliziert werden. Also jeweils um einen 1/2 Zeitwert verkürzt werden – aus 1/320 wird 1/500 sec. – aus 1/250 wird 1/320 sec. – aus 1/60 wird 1/90 sec. usw.
Aber auch hier gilt „keine Regel ohne Ausnahme“. Es sind eben nur Anhaltspunkte und jeder muss für sich heraus finden, wie weit er/sie gehen kann.

Zusammenfassung: Für`s Freihand fotografieren werden je nach verwendeter Brennweite eher die kürzeren Verschlusszeiten benötigt.

Bewegung einfrieren
Auch wenn man Bewegungen einfrieren möchte, werden kurze Verschlusszeiten benötigt. In der Sportfotografie wird diese Methode wohl am häufigsten eingesetzt, um einen Ablauf im Detail festzuhalten. Gerne wird in diesem Zusammenhang aber auch mit Wasser gespielt. Um bei fließendem Wasser einzelne Tropfen einzufangen, werden schon sehr kurze Verschlusszeiten benötigt.

Wasservorhang

Zusammenfassung: Um einzelne Bewegungen im Foto festzuhalten, werden sehr kurze Verschlusszeiten ab ca. 1/500 sec. und kürzer benötigt.

Bewegungsunschärfe
Im Gegensatz zum einfrieren von Bewegungen steht die Bewegungsunschärfe. Hier werden längere Belichtungszeiten bei denen sich Objekte durchs Bild bewegen benötigt. Damit diese bewegten Objekte eine Spur (Bewegungsunschärfe) hinterlassen, kommt es natürlich in erster Linie auf deren Geschwindigkeit an. Als ganz groben Anhaltswert kann man ungefähr die Geschwindigkeit in km/h als 1/xstel bei der Verschlusszeit nehmen.

Also bei einem Auto in der Stadt wären dass dann zwischen 30 km/h und 50 km/h, somit kann man es mit Verschlusszeiten zwischen 1/30 sec und 1/60 sec versuchen.

Im Beispielbild habe ich 1/30 sec verwendet:
Gefährliches Spiel.

Bei Personen dürfte die Geschwindigkeit so um die 2-3 km/h liegen. Also sollten die Verschlusszeiten so bei 1/2 bis 1/4 sec liegen. Da wird es dann schon in Bezug auf Verwacklungen sehr gefährlich.

Im Beispielbild habe ich mit 17mm Brennweite gearbeitet, wodurch die Verschlusszeit von 1/4 sec in Verbindung mit dem Bildstabilisator noch soeben machbar war. Bei Verwendung einer längeren Brennweite wäre hier schon der Einsatz eines Statives erforderlich gewesen:
Einkaufsstress

Zusammenfassung: Um Bewegungsunschärfe einzufangen, werden längere Verschlusszeiten benötigt. Dabei ergibt sich die Verschlusszeit aus der Geschwindigkeit des Objekts. Die Gefahr einer Verwacklung kann hier schon recht groß sein.

Mitzieher
Bei den sogenannten Mitziehern werden ebenfalls längere Verschlusszeiten benötigt. Hierbei wird die Kamera mit dem bewegten Objekt mitbewegt, also mitgezogen. Dadurch sollte im besten Fall das Objekt scharf abgebildet und der Hintergrund verwischt sein. Die Verschlusszeiten sind denen bei der Bewegungsunschärfe gleich.

Im Beispielbild habe ich mit 1/30 sec gearbeitet:
Mitzieher 8

Zusammenfassung: Um Mitzieher zu gestalten, werden längere Verschlusszeiten benötigt. Dabei ergibt sich die Verschlusszeit aus der Geschwindigkeit des Objekts. Der Ausschuss wird hierbei recht gross ausfallen, da das fokusieren und verbleiben am Objekt einiger Übung bedarf.

Langzeitbelichtungen
Als weiteres Einsatzgebiet mit langen Verschlusszeiten kommen wir dann noch zur Langzeitbelichtung. Diese müssen aber zwangläufig generell mit Stativ gemacht werden. Hier können die Verschlusszeiten schnell in den 2-stelligen Sekundenbereich gehen. Das häufigste Anwendungsgebiet wird hier wohl die Nachtaufnahme sein. Um das Rauschen in den Aufnahmen so gering wie möglich zu halten, sollte man möglichst bei ISO100 bleiben. Gleichzeitig sollte eine gewisse Tiefenschärfe im Foto vorhanden sein, was wiederum eine f/8 oder sogar noch weiter abgeblendet erfordert. Von daher ergeben sich eben zwangsläufig recht lange Verschlusszeiten.

Als Beispielbild habe ich mal eine Aufnahme während der „blauen Stunde“ mit Lichtspuren heraus gesucht. Die Verschlusszeit lag hier bei 8 sec.:
Dem Tag entgegen

Wenn man in so einem Fall die Verschlusszeit noch um einiges verlängert. Sagen wir mal so ungefähr auf 2 Minuten, dann verschwinden die Autos fast gänzlich.

Etwas ähnliches habe ich mal im Kölner Dom versucht. Da sich dort immer grössere Menschenmassen durchs Bild bewegen, habe ich die Kamera aufgestellt und mit 1.6 Sekunde belichtet. Es sind zwar noch Geisterspuren zu erkennen, aber die Möglichkeiten sind erkennbar:
DomInnen

Zusammenfassung: Der Vorteil einer Langzeitbelichtung ist, dass durch die langen Verschlusszeiten ISO100 und kleine Blendenöffnungen verwendet werden können. So hält sich das Rauschen im Rahmen und man erhält eine grössere Tiefenschärfe. Nachteil einer Langzeitbelichtungen ist die Verwendung eines Statives, oder zumindest ein fester Standpunkt für die Kamera.

Gruss Jürgen

Die Verschlusszeit

In den Kameragehäusen sitzt vor dem Film (zu Analogzeiten) bzw. dem Sensor (bei Digitalkameras) ein Verschluss, auch Vorhang genannt. Dieser Verschluss verhindert den ungewollten Lichteinfall auf den Sensor. Erst wenn der Auslöser durchgedrückt wird, öffnet sich der Verschluss und läßt das Licht auf den Sensor durch. Damit dies nicht willkürlich geschieht, gibt es die Verschlusszeit, auch Belichtungszeit genannt.

Auch bei der Verschlusszeit gibt es eine international gültige Reihenfolge. Genau wie bei den Blendenwerten, ergibt sich auch bei den Zeitwerten eine Verdoppelung bzw. Halbierung der Lichtmenge von Zeitwert zu Zeitwert.

Einstellbare Werte sind z.B:

30 – 15 – 8 – 4 – 2 – 1 – 1/2 – 1/4 – 1/8 – 1/15 – 1/30 – 1/60 – 1/125 – 1/250 – 1/500 – 1/1000 – 1/2000 – 1/4000

30 besagt hier, dass der Verschluss für 30 Sekunden geöffnet bleibt. Bei 1 ist er eben 1 Sekunde geöffnet und bei den Brüchen eben 1/xstel Sekunden. Also wird die Verschlusszeit von links nach rechts immer kürzer!

Bei den genannten Werten handelt es sich um die gängigsten Zeiten, welche bei den meisten Kameras über die Automatik genutzt werden können. Auch hier gibt es, wie bei den Blendenwerten Zwischenstufen von 1/2 und 1/3 bei den Digitalkameras.

Desweiteren besitzen die meisten Kameras noch eine “bulb”-Einstellung. Hierbei bleibt der Verschluss so lange offen, wie der Auslöser gedrückt wird. Diese Möglichkeit wird für Langzeitbelichtungen benötigt, die nicht mehr über die Zeiteinstellung eingestellt werden können.

Gruss Jürgen

Wofür ist die Blende gut?

Ihre Hauptaufgabe ist es natürlich, durch ihre Öffnung die Lichtmenge, welche beim öffnen des Verschlusses auf den Sensor fällt zu bestimmen. Gut – aber warum überhaupt ein Objektiv mit verschiedenen Blendenöffnungen? Man könnte doch eigentlich das Objektiv immer ganz geöffnet lassen und die Belichtung nur über die Zeit und ISO regeln.

Ja – könnte man, aber….

da gibt es ja noch solche Begriffe wie, Abbildungsleistung oder -qualität – Tiefenschärfe oder auch Schärfentiefe genannt. Was ist denn das nun wieder? Warum einfach, wenn`s auch kompliziert geht!

Abbildungsleistung bzw. Abbildungsqualität

ergibt sich durch die Konstruktion, Verarbeitung und Korrektur eines Objektivs. So ein Objektiv besteht ja nun mal aus mehreren geschliffenen Linsen. Hier gibt es schon die erste Beeinflussung: Glaslinsen oder Kunststofflinsen, Anzahl der Linsen. Mit den Linsen, ihrer Qualität, ihrer Vergütung und ihres korrekten Schliffs steht und fällt die Qualität eines Objektivs. Hieraus erklären sich dann auch die Preisunterschiede bei vermeintlich gleichen Objektiven. Aber egal, wie genau bei der Verarbeitung und Herstellung von Objektiven vorgegangen wird, Linsen haben nun mal ihre Schwachstellen. Einige Hersteller stellen sogenannte MTF-Kurven für ihre Objektive zur Verfügung. Diese zeigen unter anderem, bei welcher Blende das Objektiv seine beste Leistung erbringen kann. Denn Linsensysteme haben nun einmal zum Rand hin immer mehr Schwächen, weshalb sich die Verwendung einer offenen Blende nicht unbedingt empfiehlt. Daher ist der Einsatz verschiedener Blendenöffnungen hier schon mal hilfreich. Leicht abgeblendet liefern die meisten Objektive eine bessere Schärfeleistung.

Für das kreative und gestalterische Fotografieren ist aber auch die Beeinflussung der Tiefenschärfe eine wichtige Aufgabe der Blende.

Tiefenschärfe oder auch Schärfentiefe genannt

bezeichnet den Bereich eines Fotos, der als scharf dargestellt wird.

Mit der Wahl der Blende können wir also den Bereich im Bild verändern, der “scharf” dargestellt werden soll – dabei gilt:

  • eine kleine Blendenöffnung = große Blendenzahl = große Tiefenschärfe
  • eine große Blendenöffnung = kleine Blendenzahl = kleine Tiefenschärfe

Und hier kommt die Verwirrung ins Spiel: klein kann groß sein, wie groß klein ist!

Hä? Wie jetzt?

Häufig hört man von der großen Blende, von einer offenen Blende, von der Blendenöffnung oder auch von der Blendenzahl und so weiter…

Das einfachste ist es, sich auf die “Blendenzahl” zu konzentrieren. So ergibt sich eine logische Verknüpfung.

  • kleine Blendenzahl = kleine/geringe Tiefenschärfe
  • große Blendenzahl = große Tiefenschärfe

Ein paar Anwendungsbeispiele:

  • man möchte nur die Augen einer Person scharf abbilden:
    kleine/geringe Tiefenschärfe = kleine Blendenzahl – also f/1.4 bis max. f/4
  • möchte man eine Gruppe von Menschen aufnehmen:
    mittlere Tiefenschärfe = mittlere Blendenzahl – also f/5.6 – f/8
  • soll möglichst alles auf dem Foto scharf abgebildet werden:
    große Tiefenschärfe = große Blendenzahl – also ab  f/11 aufwärts.

Anmerkung: In der Fotografie ist allerdings vieles nicht so einfach, wie man es gerne hätte. So auch bei der Tiefenschärfe! Diese hängt noch von weiteren Faktoren, wie der Brennweite, der Sensorgrösse und der Entfernung zum Motiv ab. Hierauf werde ich aber in einem seperatem Beitrag weiter eingehen.

Gruss Jürgen

Die Blende

Die Blende sitzt im Objektiv und besteht aus Blendenlamellen, welche die Blendenöffnung darstellen.

Blendenoeffnungen

Die Blendewerte werden mit “f/” (engl=fraction deu=Bruchteil) angegeben.

Das würde im deutschen dann eigentlich 1/1,7 – 1/4 – 1/8 – 1/22 bedeuten. Damit erklärt sich dann auch die kleinere Öffnung bei größerer Zahl. Aber wie so oft, hat sich natürlich die internationale Schreibweise durchgesetzt.

Wie man in der Abbildung bei f/4 und f/8 deutlich sehen kann, ist die Öffnung 6-eckig. Dies ergibt sich durch die bei diesem Objektiv verwendeten 6 Blendenlamellen. Es gibt auch Objektive mit mehr Blendenlamellen, die in der Regel aber teurer sind. Je mehr Lamellen verwendet werden, um so runder wird die Öffnung. Eine rundere Öffnung verringert die Lichtbrechung, was sich positiv auf das sogenannte Bokeh auswirkt.

Als internationaler Standard hat sich folgende Blendenreihe durchgesetzt:

1,4 – 2 – 2,8 – 4 – 5,6 – 8 – 11 – 16 – 22 – 32

Ich habe hier mal nur den am häufigsten verwendeten Bereich aufgeführt. Es handelt sich hierbei um jeweils ganze Blendenwerte. Von einem zum nächsten Blendenwert verdoppelt, beziehungsweise halbiert sich jeweils die einfallende Lichtmenge auf den Sensor. Manche Objektive mit Blendenring lassen auch Halbblenden zu. Bei den Digitalkameras können zusätzlich sogar noch 1/3-Blendenwerte eingestellt werden. Um unnötige Verwirrungen zu vermeiden, werde ich aber immer nur auf die ganzen Blendenwerte eingehen.

Je kleiner die Blendenzahl ist, um so grösser ist die Blendenöffnung. Zwischen f/1.4 und f/2.8 werden Objektive als lichtstark bezeichnet. Sie können mehr Licht durchlassen und erlauben somit kürzere Belichtungszeiten.

Standard-Objektive werden meist mit größten Blendenöffnungen zwischen f/4 und f/6.3 angeboten. Demzufolge muss bei gleicher Lichtsituation gegenüber den „Lichtstarken“ länger belichtet werden. Was schnell mal zu Verwacklungen führen kann.

Gruss Jürgen

Einleitung

Hallo an alle Fotointeressierte,

hiermit möchte ich beginnen, die Grundlagen der Fotografie möglichst einfach vorzustellen. Alle Digitalkameras besitzen zwar einige Automatiken und können damit durchaus vorzeigbare Fotos liefern. Aber fotografieren bedeutet ja „malen mit Licht“ und damit gehört es zu den kreativen Hobbys. Wie bei jeder kreativen Arbeit sollte man dann aber auch einige Grundlagen kennen und bestenfalls auch beherrschen.

Meine Beiträge sollen ein wenig Licht in den Dschungel der Fototechnik bringen. Sie sollen keinesfalls hochwissenschaftlichen Abhandlungen gleichkommen, sondern möglichst leicht verständlich für Jedermann(frau) sein. Daher werde ich auch versuchen so einfach wie möglich zu erklären, was auch des öfteren von den üblichen Vorgehensweisen solcher Beiträge abweichen wird.

Sollte ich doch einmal zu „hochtrabend“ abschweifen, dann würde ich mich über konstruktive Kritik sehr freuen.

Und nun geht`s los:

Für die richtige Belichtung eines Fotos sind 3 Komponenten verantwortlich.
Die Blende, die Verschlusszeit und die ISO:

  • Blende = sie sitzt im Objektiv und läßt je nach Öffnungsgröße mehr oder weniger Licht auf den Sensor durch
  • Verschlusszeit = gibt die Zeit an, wie lange der Verschluss vor dem Sensor geöffnet bleibt, um das Licht auf den Sensor durch zu lassen
  • ISO = ist die Norm, welche die Lichtempfindlichkeit des Sensors angibt

Es sind nur 3 Komponenten, die es aber in sich haben. Ihr Verhältnis zueinander regelt die korrekte Belichtung. Dies wird in der Regel von dem eingebauten Belichtungsmesser übernommen. Wird eine Komponente verändert, so passen die Belichtungsautomatiken der Kamera die anderen Komponenten an. So ist immer eine gleichbleibende Belichtung/Helligkeit der Fotos gegeben. Aber wie alle Automatiken, so ist auch die Belichtungsautomatik nicht fehlerfrei. In manchen Situationen kommt der Belichtungsmesser an seine Grenzen und liefert Fehlinformationen, die zu falsch belichteten Fotos führen. Für diesen Fall gibt es die Möglichkeit der Belichtungskorrektur, oder wer es ganz gezielt einsetzen möchte, der greift ganz auf die manuelle Einstellung zurück. Hier sollte man dann aber schon wissen, was die einzelnen Komponenten bewirken und was ihre Vor- und Nachteile sind.

Daher möchte ich im Folgenden die 3 einmal etwas näher erläutern. Dies werde ich aber möglichst einfach halten und nur das nötigste ansprechen. Es sollen ja nur erste Grundlagen vermittelt werden.

Gruss Jürgen