DIGITALKAMERA – Kaufentscheidung

Häufig wird der Wunsch nach der besten Kamera geäußert. Hierbei stellt sich allerdings die Frage, was ist denn eigentlich die beste, oder perfekte Kamera. Gibt es diese überhaupt? Die Frage kann eindeutig mit „Nein“ beantwortet werden. Jeder muss sich an den eigenen Bedürfnissen und Kenntnissen orientieren. Diese Kriterien haben nur selten etwas mit den „Testsiegern“ aus den Testberichten der Druckmedien und Fotoforen zu tun. Jede Kamera hat ihre Vor- und Nachteile. Diese können keine Testverfahren unter Laborbedingungen für den einzelnen Anwender herausfinden. Da muss man sich schon aus den Datenblättern seine eigenen Kriterien zusammensuchen.

Die meisten der aktuellen Kameras bieten heute eine mehr als ausreichende Bildqualität für die allgemeinen Anwendungen. Klar, sollten Eigenschaften wie das Rauschverhalten der Kamera von Bedeutung sein. Qualitätsmerkmale wie diese sind aber nicht nur wichtig, auch so triviale Eigenschaften wie Größe und Gewicht sollten Beachtung finden. Was ist hier bei der jeweiligen Fotoausrüstung akzeptabel? Nicht nur die Bildqualität, die häufig erst bei größeren Abzügen ab 40x50cm sichtbar wird, auch die Haptik, also die Kompaktheit und Bedienbarkeit der Kamera sollte beachtet werden.

Ebenfalls sind Kriterien wie Brennweitenbereich, wobei nur der optische Zoom ausschlaggebend ist, schwenkbarer Monitor, Sucher, Outdoor-Fähigkeit und Energieversorgung nicht zu vergessen. Auch die Ausbaufähigkeit des gesamten Systems sollte bei der Wahl einer digitalen Kamera berücksichtigt werden.

Diese Kriterien führen eigentlich schon zu den jeweiligen Kameratypen. In der Digitalfotografie haben sich zur Zeit 5 Typklassen etabliert. Kompaktkameras, Edelkompakte, Bridgekameras, Systemkameras und DSLR´s. Erste Informationen zu den verschiedenen Kameratypen werden im folgenden noch vermittelt.

Die Bildqualität einer Digitalkamera ist vor allem von folgenden Punkten abhängig:

  • Objektiv
  • Kameraelektronik – Firmware (kamerainterne Software)
  • Sensortechnik CCD oder C-MOS

Häufig wird die Bildqualität einer digitalen Kamera an der Auflösung (Pixelanzahl) festgemacht. Dies resultiert aber nur aus einer irreführenden Werbestrategie der Hersteller. Wichtigere Aspekte sind z. B. Objektivqualität, Sensorgröße (nicht die Pixelzahl!), Rauschverhalten (vor allem wichtig bei schlechten Lichtverhältnissen) …

Ein Sensor kann nur das wiedergeben, was das Objektiv ihm bietet. Dies bedeutet, dass schlechte Objektiveigenschaften auch eine noch so hohe Sensorauflösung zu Nichte machen. Wie allgemein, gilt auch bei Kameras – die Bildqualität ist nur so gut wie das schwächste Glied in der Kette. Diese Kriterien findet man allerdings nicht in den von den Herstellern zur Verfügung gestellten technischen Daten. Deshalb sind also weitere Informationen aus Tests und Erfahrungen anderer Nutzer nicht außer Acht zu lassen. Allerdings ist es schwierig, die zum Teil recht widersprüchlichen Aussagen zu filtern und auszuwerten. Nur selten nehmen die Autoren eine objektive Wertung vor. Eine umfangreiche Informationsbasis bietet somit die beste Voraussetzung, um seine Kamera zu finden. Hierbei wollen wir ein klein wenig behilflich sein.

Bei all den Tests und Aussagen sollte man aber das wichtigste in der Fotografie nie vergessen. Entscheidend ist die Bildaussage und nicht allein die technische Perfektion.

Hierzu ein Zitat von Gisèle Freund, einer deutsch-französischen Fotografin und Fotohistorikerin

Das Auge macht das Bild, nicht die Kamera“ (Gisèle Freund, 1912 – 2000).

In diesem Sinne – sollte man sich mehr auf die Fotografie und nicht auf die technischen Daten konzentrieren.

Kriterien, die man vor dem Kamerakauf beachten sollte:

Diese Kriterien sollten aber lediglich als „Erste Hilfe“ gesehen werden. Aufgrund der vielfältigen Ansprüche an eine Fotoausrüstung ist es nicht möglich eine weiter reichende Kaufberatung zu geben. Die Angaben sollten je nach den eigenen Bedürfnissen variiert und ergänzt werden.

1. Bin ich Einsteiger oder Umsteiger, wie sind meine fotografischen Kenntnisse?

a) Einsteiger ohne große Vorkenntnisse = Kompaktkamera
b) Einsteiger mit Vorkenntnissen und Ambitionen mehr aus dem Hobby zu machen = Edelkompakte oder Bridgekamera
c) Einsteiger in die Digitalfotografie, aber schon einige Jahre Analogkenntnisse und schon anspruchsvoll = Systemkamera oder DSLR
d) Umsteiger von Analogfotografie = entsprechend seiner Analogkamera
e) Umsteiger innerhalb der Digitalfotografie = entsprechend der Punkte a–c


2. Was sagen mir Blende, Verschlusszeit, Lichtstärke, Schärfentiefe oder Brennweite? Bin ich grundsätzlich bereit, mich durch umfassende Lektüre damit zu beschäftigen?

a) Kaum Kenntnis und ohne Absicht dazu Bücher zu lesen = Kompaktkamera
b) Geringe Kenntnisse/Grundkenntnisse mit dem Ziel intensiver in das Hobby einzusteigen = Edelkompakte oder Bridgekamera
c) Grundkenntnisse/Fortgeschrittene Kenntnisse mit dem Ziel zum anspruchsvolleren Hobbyfotografen = Systemkamera oder DSLR


3. Was will ich fotografieren? Sport, Tiere, Landschaft, Portrait, Architektur, Action-Life, Makro?

a) Landschaft, Architektur = Alle Kameratypen
b) Portrait, Haustiere = Edelkompakte, Systemkamera oder DSLR
c) Wildlife, Makro = Bridgekamera oder DSLR
d) Sport, Action-Life = Systemkamera oder DSLR


4. Wie oft werde ich die Kamera nutzen und bin ich eher ein anspruchsvoller Hobbyfotograf oder soll es nur mal so ab und zu sein?

a) Feierlichkeiten, Standard-Urlaubsfotos = Kompaktkamera
b) Feierlichkeiten, Urlaubsfotos, testen ob einem das Hobby liegt = Edelkompakte oder Bridgekamera
c) Anspruchsvolle und engagierte Hobbyfotografie = Systemkamera oder DSLR


5. Was möchte ich mit den Fotos machen? Sollen sie nur mal am PC oder Fernseher angeschaut werden, oder sollen sie als Poster meine Wohnung zieren?

a) Die Kriterien sind mit denen unter Punkt 4 gleich zu setzen


6. Was möchte/kann ich dafür ausgeben? Besitze ich schon Teile, die ich weiterverwenden kann?

a) Bis 300 Euro = Kompaktkamera
b) Bis 600 Euro = Edelkompakte, Bridgekamera oder gebrauchtes Einsteiger-Kit DSLR
c) Bis 1000 Euro = Systemkamera, Einsteiger-Kit DSLR oder gebrauchte DSLR-Ausrüstung
d) Weit über 1000 Euro = DSLR mit guten Objektiven

Die Unterschiede zwischen Kompaktkamera, Edelkompakte, Bridgekamera, Systemkamera und DSLR:

Kompaktkameras

Gegenüber den Analogkameras fällt bei den Kompaktkameras vor allem die extreme Miniaturisierung auf, die durch die starke Verkleinerung des Aufzeichnungsformates (Formatfaktor etwa 6 gegenüber DSLR etwa 1,5 zu Kleinbild) ermöglicht wird. Der inzwischen nur noch selten verbaute optische Sucher wurde durch großformatige Displays zur Bildgestaltung ersetzt.

Die Gehäusegrössen haben sich mit den Abmessungen einer Zigarettenschachtel und sogar noch kleiner durchgesetzt, wobei das Objektiv im Ruhezustand vollständig in der Front verschwindet und automatisch verschlossen wird. Da die Kameras vor allem für Schnappschüsse gedacht sind und auch Einsteigern das Fotografieren leicht machen sollen, verfügen sie nicht nur über ein vollautomatisches Aufnahmeprogramm, sondern auch über eine jeweils unterschiedliche Zahl an Szenenprogrammen für verschiedene typische Aufnahmesituationen.

Kompaktkameras eignen sich nicht nur für Einsteiger, die noch nicht wissen, wie oft sie wirklich fotografieren, sondern sind auch als ständige Begleiter im Urlaub und Alltag geeignet, die deutlich weniger Platz beanspruchen als alle anderen Digitalkamera-Typen.

– Unterkategorie Edelkompakte

In den letzten Monaten ist für ambitioniertere Fotografen eine Bauform ähnlich den klassischen Kompaktkameras mit vorstehendem Objektiv und Griffwulst entstanden. Hier sind auch die Einstellmöglichkeiten denen von DSLRs ähnlich. Meist wird auch ein etwas grösserer Sensor verbaut. Auch die Anfangsöffnungen der verbauten Objektive kann man als sehr lichtstark bezeichnen. Wegen ihrer ausgezeichneten Abbildungsqualität werden diese Kameras auch als Edelkompakte bezeichnet.

Bridgekameras

In der Digitalfotografie hat sich eine Mischform zwischen Kompakt- und Spiegelreflexkamera, die sogenannte Bridgekamera mit festem Objektiv und elektronischem Sucher, ähnlich dem optischen Sucher einer Spiegelreflexkamera etabliert. Diese Kameras sind üblicherweise mit Superzoom-Objektiven ausgestattet. Sie sind allerdings schon in Zoombereiche vorgedrungen, die sich selbst mit optischen Bildstabilisatoren nur schwer aus der Hand aufnehmen lassen. Auch die kleinste Bewegung der Hand kann dabei zu einem verwackelten Bild führen – ein Stativ kann hier also notwendig sein. Auch von den Einstellungen her ähneln sie sehr einer DSLR. Häufig ist auch die Zoomverstellung und manuelle Entfernungseinstellung der von DSLRs vergleichbar. Eine Bridge-Kamera ist im Prinzip eine komplette DSLR-Ausrüstung, nur mit der Einschränkung des kleineren Sensors, wie bei den Kompaktkameras. Sie lohnen sich vor allem für Fotografen, die den großen Brennweitenbereich nutzen wollen, aber den Griff zur Spiegelreflex- oder Systemkamera scheuen.

Spiegellose Systemkameras

Auf Basis des Micro-Four-Thirds-Standards der Hersteller Olympus und Panasonic wurden erstmals Kameras mit Wechselbajonett, aber ohne Schwingspiegel vorgestellt, die zugleich eine neue Gattung digitaler Systemkameras begründete. Es folgten weitere Hersteller, welche einen Sensor im APS-C-Format verwendeten. Damit ist die Systemkamera die kompakte Alternative zu einer DSLR. Die Gehäuse und Objektive sind durch die kompaktere Bauweise in etwa um die Hälfte leichter als eine DSLR-Ausrüstung. Einen Sucher findet man bei den Systemkameras allerdings eher selten, dafür haben sie große hochauflösende Displays. Eine weitere Einschränkung gegenüber den DSLR liegt bei den Objektiven, welche nur bis zu einer Brennweite von ca. 135mm zur Verfügung stehen. Ebenfalls gibt es noch keine speziellen Makroobjektive für diese Bauform. Systemkameras sind für Fotografen eine gute Wahl, die eine Bildqualität wie bei DSLR erwarten, ebenfalls Wechselobjektive einsetzen wollen, aber denen Spiegelreflexkameras zu groß und schwer sind. Einschränkungen muss man aber eventuell bei Wildlife- und Makro-Aufnahmen, wegen der eingeschränkten Objektivauswahl hinnehmen.

Digitale Spiegelreflexkameras

Diese Kameras werden im Englischen als digital single lens reflex, kurz DSLR, bezeichnet. Sie besitzen einen Spiegelkasten, worin über ein Prismensystem das aufzunehmende Bild durch das Objektiv an den Sucher weiter geleitet wird. Damit erhält man eine bis zu 100%ige Abbildung des aufzunehmenden Bildes. Der Spiegel wird während der Aufnahme hochgeklappt, wodurch das typische Auslösegeräusch einer Spiegelreflexkamera entsteht. Diese Kameras sind sehr ausbaufähig und werden auch im Profilager eingesetzt. Entsprechend gibt es zu solchen Kameras eine große Auswahl an Wechselobjektiven. Wobei es auch spezielle Varianten, wie Makroobjektive, Lupenobjektive, Fish-Eye-Objektive und Tilt-Shift-Objektive gibt. Bei den Zoomobjektiven fallen die Brennweitenbereiche allerdings wesentlich geringer aus, als bei denen der Kompakt- und Bridgekameras. Auch gibt es noch zahlreiches weiteres Zubehör. Als Sensorgrösse hat sich das APS-C-Format durchgesetzt, dass einen Formatfaktor von ca. 1,5x gegenüber Kleinbild aufweist. Bei einigen Herstellern gibt es aber auch das sogenannte Vollformat, welches mit der Filmgrösse eines analogen Kleinbildfilms identisch ist. Olympus setzt bei seinen DSLRs auf das kleinere Four-Thirds-System mit einem Formatfaktor von 2x gegenüber Kleinbild. Spiegelreflexkameras eignen sich für alle Nutzer, die sich intensiver mit der Fotografie beschäftigen und viele Bilder aufnehmen wollen. Die große Auswahl an Objektiven und Zubehör bietet die Möglichkeit, sich auf unterschiedliche Spielarten der Fotografie zu spezialisieren. Allerdings muss die Bereitschaft bestehen, eine vergleichsweise teure, große und schwere Kamera mit Zubehör mit sich herumzutragen.

Sollte sich noch Frage nach den voran gegangenen Punkten stellen, so ist hier nun Nachforschung im Internet angesagt. Auf Seiten, wie Digitalkamera.de findet man zu fast allen Kameras Datenblätter, welche Auskunft und Vergleichsmöglichkeiten bieten.

Sind bei den voran gegangenen Punkten noch weitere Fragen offen, dann zuerst einmal noch intensiver im Internet schlau machen.
(z.B. Suchmaschinen, Kamerahersteller, Test- und Preisplattformen usw.) Beispielbilder, Vergleiche und Erfahrungsberichte (Reviews) anschauen. Ohne diese Informationen macht ein Kamerakauf wenig Sinn!

Stehen dann evtl. mehrere Modelle zur Auswahl: In den Laden gehen, die Kameras in die Hand nehmen und schauen, wie kommt man mit der Größe, Gewicht und Bedienung klar?
Wenn einem die Kamera gut in der Hand liegt und sich gut anfühlt spricht eigentlich nichts mehr gegen einen Kauf.

Für den Objektivkauf gelten in entsprechender Anpassung die gleichen Fragen wie unter Punkt 3 bis 6
Ausschlaggebend ist das Anwendungsgebiet, die Lichtstärke, die Abbildungsleistung, Zoom oder Festbrennweite und vor allem die Preisvorstellung. Es gibt nicht wirklich schlechte Objektive, aber es gibt immer eine Standard- und eine Luxusvariante. Dazu sollte man sich immer die Frage nach dem Preis-/Leistungsverhältnis stellen und wie häufig man das ins Auge gefaßte Objektiv wohl nutzt.

Hat man dann 1-3 Kameras, oder Objektive ins Auge gefaßt, kann man in diesem Blog, oder in diversen herstellerbezogenen Foren noch Fragen stellen, auf die man sonst keine Antwort gefunden hat (Besonderheiten, Eigenarten, Einstellungen).

Gruss Jürgen

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